500 Jahre Reinheitsgebote

In diesem Jahr jährt sich, worauf wir Bayern besonders stolz sind: Vor 500 Jahren, am 23. April 1516 erließ der bayerische Herzog Wilhelm IV. das Reinheitsgebot für Bier. Damit sollte das Brauen auf die Verwendung der vier natürlichen Zutaten Wasser, Hopfen, Malz und Hefe beschränkt bleiben. Damals übliche Zutaten wie Tollkirsche und andere giftige und berauschende Pflanzen blieben damit tabu. Auch heute noch dürfen in Deutschland bei der Bierherstellung keine Enzyme, Aromen und Konservierungsstoffe verwendet werden. Bier galt schon immer als Grundnahrungsmittel, sein Genuss sollte dem Wohl des Menschen dienen und nicht seine Gesundheit gefährden.

Im kommenden Jahr feiern wir dann den 500. Jahrestag eines weiteren Reinheitsgebotes: Am 31. Oktober 1517 kämpfte Martin Luther mit seinen 95 Thesen für die Reinheit des Evangeliums ... und um das Heil des Menschen. Solus Christus (allein Christus), Sola Gratia (allein die Gnade), Sola Fide (allein der Glaube) und Sola Scriptura (allein die Schrift) galten ihm als die vier ausschließlichen Voraussetzungen dieses Heils. Alle anderen Zutaten wie Leistung, Macht und Geld sah der Reformator als giftige Zusatzstoffe, die die frohe Botschaft und das Heil des Menschen gefährdeten.

Vor meinem inneren Auge sehe ich also den Herzog und den Reformator mit einem Bier auf ihre Errungenschaften anstoßen. „Ein Prosit auf die Reinheit“ wünschen sie sich – was übersetzt heißt: Sie sei (dem Menschen) zuträglich, sie möge ihm nützen.

Martin Steinbach