Ein klares Jain

Ein Gedanke zur Zeit

Er ist schon ein bisschen naiv, der WhatsApp-Clip, der zum „Bienenvolksbegehren“ aufruft: 1. Bienen erfreuen sich ihres Lebens, Bauer kommt und mäht die Blumenwiese, Bienen tot. 2. Bauer kommt wieder und spritzt oder düngt, Bienen wieder tot. 3. Die letzten Bienen tragen alsdann den Naturfreund zum Rathaus, wo er das Volksbegehren unterzeichnet. Immer mal wieder ploppt dieser Clip auf meinem Handy auf. Wenn es so einfach wäre! Richtig ist die Feststellung des Artensterbens und der spürbare Rückgang der Insekten. Aber schon da sind die Gründe vielfältig. Nicht nur die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft ist Verursacher, auch die „saubere“ Thujahecke im Vorgarten ist es, und der wöchentliche Rasenschnitt hinterm Haus und das Fehlen von Sträuchern und Stauden in manchen Gärten. Nicht allein die Bauern sind schuld am Artensterben, auch wir Stadtmenschen sind es. Es ist leicht, der Verpflichtung zu 30% Ökolandbau zuzustimmen, wenn damit keine Verpflichtung verbunden ist, diese Produkte auch zu kaufen. Schnäppchenjäger, die ihre Lebensmittel beim Discounter besorgen, sollten einen großen Bogen um dieses Volksbegehren machen. Denn auch unser „billig, billig“ ist Gift für Bienen und Natur, genauso wie der SUV, mit dem wir die Kinder zur Schule fahren und der Flieger, mit dem wir in den Urlaub düsen. Eigentlich sollte das Volksbegehren nur unterschreiben, wer sich auch selbst in die Pflicht nimmt. Wenn das viele wären, wäre es für die Natur und ihre Nutzer das Allerbeste.     

 

Dekan Martin Steinbach

Evang. Kirche, Bad Tölz