Ein Mann seines Wortes

 

Ein Gedanke zur Zeit

Es war eine turbulente zurückliegende Woche, in der Männer des Wortes verlauten ließen, was besser ungesagt geblieben wäre. Präsident Erdogan entlässt wieder 18500 Beamte unter Terrorverdacht, AfD-Chef Gauland vergleicht Merkel mit Erich Honecker und Innenminister Seehofer lässt gekonnt seinen Rücktritt durchsickern, bevor er von diesem Rücktritt schnell wieder zurücktritt. Worte hinterlassen Spuren. Sie bereiten Handlungen vor und machen salonfähig, was zuvor undenkbar gewesen ist. Im Guten wie im Bösen. Selbst Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat sich deshalb am Sonntag zu Wort gemeldet: Wir müssten zurück zur Vernunft und angesichts von Schlagworten wie „Asyltourismus“ besser auf Sprache achten, dass diese nicht verrohe.

Ein ganz anderer „Mann seines Wortes“ ist mir ... noch in der vergangenen Woche begegnet. Papst Franziskus in einem Film von Wim Wenders, der derzeit im Tölzer Kino läuft. In einer Zeit, in der Lügen, Egoismus und Kleinstaaterei unser Leben bestimmen, bringt Wenders uns einen Mitchristen nahe, der mit Weitblick, Verantwortung und Menschenfreundlichkeit weltweites Format zeigt: Wir können uns nicht freisprechen von einer Mitschuld an den Fluchtursachen. Wir müssen mehr tun, als Routen abdichten. Wir müssen Verantwortung übernehmen für diese Flüchtlinge – schon in ihrer Heimat. Dieser Papst hat quer durch alle Konfessionen viele Anhänger. Auch wenn er nicht plappert, was etliche hören wollen, kann er recht haben. Denn was wahr ist, entscheidet nicht immer die Mehrheit.

Dekan Martin Steinbach