Ein Orden für den Bischof

Ein Gedanke zur Zeit

Er hat ihn ganz sicher verdient, wie alle 1650 noch lebenden „Ordensgeschwister“ mit ihm. Der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm erhält als „ehrende Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern“ den bayerischen Verdienstorden. Jetzt steht der Landesbischof also in einer Reihe mit Kardinal Marx, Franz Beckenbauer und Veronika Ferres. Aber ist diese Auszeichnung auch wirklich nach dem Geschmack des Leiters der Evangelischen Kirche in Deutschland?

Vor drei Monaten berichtete die Presse ausführlich über anstehende Ermittlungsverfahren von ausschließlich bayerischen  Staatsanwaltschaften gegen katholische und evangelische Pfarrer. Der Vorwurf: "Gewährung von Kirchenasyl“. Auch wenn die meisten Verfahren zwischenzeitlich eingestellt wurden, hat man klargestellt, im Wiederholungsfall würde ein solches weniger glimpflich ausgehen. Eine betroffene Pfarrerin meinte dazu: "Es ist Wahljahr. Und in Bayern wird besonders hart durchgegriffen, um beim Wähler zu punkten." Aber da gibt es auch Absprachen der Kirchen mit dem Bundesinnenministerium, wonach Kirchenasyle respektiert würden, wenn man sie in humanitären Notlagen dosiert anwende, um „dem Recht zum Recht zu verhelfen“.

Hätte man in Bayern nicht besser daran getan, einfach von solchen Sticheleien gegen die Kirchen abzusehen, statt ihren Repräsentanten Orden anzuheften?

Ich verehre und respektiere auch weiterhin den jetzt hoch dekorierten Bischof eher wegen seiner fundierten, herzlichen und ökumenischen Ausrichtung, als wegen des neuen Ordens an der Brust.

Martin Steinbach, Dekan