Eine Notwendigkeit des Jahres

Es gibt Worte des Jahres und Unworte – sie sind Spiegel unserer Zeit. Gibt es auch eine „Notwendigkeit des Jahres“? In meinem Rückblick auf 2016 wären das „Zusammenhalt“ und „Besonnenheit“.

Der Anschlag von Berlin steckt mir noch schwer in den Knochen, wie auch die anderen Attentate, die Europa und unser Land in diesem Jahr erschüttert haben. Nichts kann wirklich trösten angesichts solcher Verblendung, die Menschenleben auslöscht und zerstört. Am wenigsten können es markige Worte, die ihren Sprechern im Halse stecken bleiben müssten. Wieso muss angesichts dieses Verbrechens in Berlin die Zuwanderungspolitik neu bedacht werden? Es wird auch die Verkehrspolitik nicht neu bedacht, wenn hirnlose Raser tödliche Verkehrsunfälle verursachen, oder die Familienpolitik, wenn ein durchgeknallter Vater seine Familie erschießt. Das sind Verbrechen, für die keine Gruppen haftbar gemacht werden können. Es sind Verbrechen, die vielmehr Zusammenhalt und Besonnenheit erfordern.

Nachdem rechte Gruppierungen in diesem Jahr erfolgreich mit Ausgrenzung und Nationalismus geworben haben, ziehen mittlerweile andere politische Lager beflissen nach. Das aber spaltet unsere Gesellschaft, erschwert ehrenamtliches Engagement und verhindert gelingende Integration. Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass es den vielen Besonnenen unter uns gelingt, die Wahlkämpfer und selbst ernannten Retter wieder zu mäßigen. Denn wir nützen diesem Land vor allem, wenn wir in einer offenen Gesellschaft zusammenhalten und füreinander einstehen.

Dekan Martin Steinbach