Europameisterschaft mal anders

 Blicken in eine Richtung: TeilnehmerInnen des "Europäischen Studienkurses" in Josefstal

Fußball-Europameisterschaft: Von den 24 europäischen Mannschaften ist letztlich nur Portugal als strahlender Sieger übriggeblieben. Andere Nationen haben auch gut Fußball gespielt, aber sind nach bitteren Niederlage ausgeschieden.

Mich hat während dieser Europameisterschaft noch eine andere Veranstaltung in ihren Bann gezogen: Jedes Jahr lädt die Evangelische Landeskirche für zehn Tage zum „Europäischen Studienkurs“ nach Josefstal am Schliersee ein. Delegierte der verschiedensten Konfessionen aus allen europäischen Länder kommen zusammen und arbeiten gemeinsam an einem geistlichen Thema: Katholiken, Orthodoxe, Anglikaner, Waldenser, Reformierte und Lutheraner. Gegenseitiges Interesse am Anderen und die Suche nach allem Gemeinsamen prägen die inhaltliche Auseinandersetzung.

Inmitten eines aufkeimenden Nationalismus in Europa hier in den Kirchen nirgendwo Populisten, die gemeinsame Bekenntnisse hinter sich ließen oder nur in die eigene Überzeugung akzeptieren konnten. Alle wussten, wieviel Potential verloren geht, wenn jeder nur sich selbst sieht. Jeder der Teilnehmer war bestrebt, mit seiner Tradition und mit seiner Sichtweise die gemeinsame Kirche Jesu Christi bereichern zu dürfen. Für mich ein Modell auch für das politische Europa.

Ach ja, und am Abend saß ich dann vorm Fernseher. Selbst nach einem gerechten Unentschieden musste wieder eine Mannschaft im Elfmeterschießen weichen. Schade. Ich hatte am Schliersee eine ganz andere Europameisterschaft erlebt.

Martin Steinbach