Fluch und Segen von Glyphosat

 

Die Frühjahrssynode 2018 des Dekanats Bad Tölz hatte drei Themen: Die Gründung eines gemeinsamen Zweckverbandes aus den beiden Evang.-Luth. Verwaltungsstellen Rosenheim und Traunstein (diesem Vorhaben stimmte die Dekanatssynode einstimmig zu), und einen kurzen Lagebericht aus den Kirchengemeinden zur anstehenden Kirchenvorstandswahl im Oktober. Der dritte Teil war einem "Streit"gespräch über den Segen und Fluch des Pflanzengiftes Glyphosat vorbehalten. Der Dekanats-Umweltbeauftragte Gerhard Waas (links im Bild), (von Beruf Förster und für "die Grünen" Mitglied des Kreistages) bat um Unterstützung der Synode für das Ziel eines Gyphosat-freien Landkreises Miesbach. Als Unsinn bezeichnete der ehemalige Leiter der Landwirtschaftsschule in Wolfratshausen, Johannes Hütz (rechts im Bild) dieses Anliegen. Johannes Hütz ist Kirchenvorsteher der Kirchengemeinde Neuhaus und im Präsidium der Dekanatssynode. Die Ausführungen von Waas und Hütz zeigten aber schnell, dass man in der Sache nicht weit auseinander lag. Es sei auf die Schnelle unmöglich, dieses Pflanzengift zu verbieten, ohne Gefahr zu laufen, dass deutlich schädlichere Gifte verwendet würden. Glyphosat sei letztlich nur dann entbehrlich, wenn eine mittlerweise industriell erzeugende Landwirtschaft wieder in kleinere ökologisch produzierende Betriebe umgewandelt würde, was natürlich deutlich höhere Lebensmittelpreise zur Folge hätte. Hütz gab zu bedenken, dass im letzten Jahrhundert noch ca. 35% des Einkommens für Lebensmittel benötigt wurden, heute seien es weit unter 10% des Einkommens. Diese Verbilligung ginge alleine zulasten der Qualität, des Tierschutzes und der Umwelt. Die Richtung der Landwirtschaft aber würde durch Zuschussregelungen der Regierungen bestimmt. Waas ergänzte, dass schon viel gewonnen wäre, wenn die privaten Haushalte auf Straßen und Wegen auf Glyphosat aus dem Baumarkt verzichten würden. Während in der Landwirtschaft der Verbrauch in den letzten Jahren nicht gestiegen sei, habe sich der private Verbrauch mittlerweile verdreifacht. Die Diskussion der Positionen hat gezeigt, dass nicht das Pflanzengift Glyphosat das eigentliche Problem darstellt, sondern die viel grundsätzlichere Frage, welche Landwirtschaft wir betreiben (und bezuschussen) wollen. Hier aber sind die Regierungen und ihre Wähler gefragt.