Frieden gibt's nur in der Mitte

Ein Gedanke zur Zeit

Es ist Aufgabe aller Christen, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen.  Daran erinnert die ökumenische Friedensdekade, die in den zehn Tagen vor dem Buß- und Bettag begangen wird. Ihr Ziel ist es, das Engagement der Kirchenmitglieder für Friedensfragen zu stärken. Seit 39 Jahren kritisieren Friedensdekaden aktuelle Gefährder des Friedens. In diesem Jahr thematisiert die Dekade unter der Überschrift „Friedensklima“ den Klimawandel und dessen Konsequenzen für den Frieden. Aber noch ein weiterer Klimawandel gefährdet den Frieden: der Verlust des gesellschaftlichen Gemeinsinns. Es scheint, dass der Mangel an Solidarität der Eliten mit den Unterprivilegierten, oder des Westens mit dem Osten Auslöser ist für das Abdriften einer erheblichen Zahl von Bürgern an die extremen politischen Ränder. An den Rändern aber wird dieses Spiel weitergespielt und man entsolidarisiert sich von den noch Schwächeren, die aus unvorstellbarer Not den Weg zu uns gefunden haben.

Es sind immer Wege des Unfriedens, die zu den Extremen führen. Wo jeder nur noch seinen Vorteil sieht, und nicht mehr die Anderen im Blick hat, werden Gesellschaft und Gemeinwohl unmöglich. Die Wege zum Frieden führen in die Mitte. Zum Kompromiss, zum Ringen um den Ausgleich. Ich bin dankbar für alle Mitchristen und Friedensliebhaber, die diese beschwerlichen Wege in die Mitte suchen und bereit sind, Kompromisse zu schließen, um anderen Menschen entgegenzukommen.

Dekan Martin Steinbach