Hilfe zum Sterben

Pfarrer Dr. Michael Frieß (rechts) vor der Frühjahrssynode des Dekanats Bad Tölz
Sie nehme persönlich aus diesem Vormittag mit, dass sie ihr Engagement für die Palliativversorgung und die Hospizbewegung noch verstärken wolle, resümierte eine Delegierte ihr Ergebnis von der Frühjahrssynode des Evangelischen Dekanats Bad Tölz. Eingeladen als Referent war diesmal Pfarrer Dr. Michael Frieß mit dem Thema „ethische Aspekte von Sterbebegleitung und Sterbehilfe“. Frieß referierte anläßlich des anstehenden Gesetzgebungsverfahrens im Deutschen Bundestag. Sind "Hilfe beim Sterben" und "Hilfe zum Sterben" wirklich unversöhnliche Alternativen? Mit den gängigen Argumenten sei der Forderung nach "Hilfe zum Sterben" schwer entgegenzutreten. So pfusche man Gott als Herren über Leben und Tod nicht erst ins Handwerk bei der Hilfe zum Selbstmord eines unheilbar Kranken, sondern oft schon vorher bei vielen lebensrettenden Maßnahmen und lebenserhaltenden Eingriffen. Warum das eine legitim und das andere verwerflich sei, sei schwer zu begründen, so der Referent. Auch biblisch gesehen sei der Suizid weder legitimiert noch verboten. Dass König Saul sich beispielsweise in sein Schwert gestürzt habe, um nach der Niederlage nicht in die Hände seiner Feinde zu fallen, werde in der Bibel zwar berichtet, aber nicht gewertet. Frieß wehrte sich in seinem Vortrag gegen eine allzu selbstverständliche, protestantische Bewertung der Sterbehilfe. Er sprach sich für den weiteren Ausbau der Hospizversorgung aus, sah aber auch in der persönlich und gewissenhaft verantworteten Sterbehilfe auf Bitte von Schwerstkranken eine christlich und ethisch vertretbare Möglichkeit.