Lucas Cranachs reformatorische Bedeutung

Gedanken zu Albrecht von Brandenburg: Daniela Thiel mit einigen Teilnehmern der Gruppe

Auf Einladung seines Vorsitzenden, Dr. Walter Steinbach, widmete das Evangelische Bildungswerk Bad Tölz dem Werk des Malers Lucas Cranach d.Ä. einen Besuch in der Alten Pinakothek in München. Cranach (ca. 1472 – 1553) gilt als einer der bedeutendsten Maler der Renaissance und maßgeblicher Mitstreiter der Reformation. Die Kunsthistorikerin und Journalistin Daniela Thiel zeigte in ihrer beeindruckenden Führung zwar nur fünf von insgesamt wohl 5000 Bildern aus der Werkstatt des Künstlers, ließ daran aber seine „revolutionäre“ Auseinandersetzung mit der geistigen Verfassung seiner Zeit aufblitzen. Zum Beispiel in dem Werk, das den machtbesessenen Kardinal Albrecht von Brandenburg unter dem Kreuz Christi zeigt. Der ob seines Erwerbs von drei Bistümern bei den Fuggern in Augsburg hoch verschuldete und für den exzessiven Ablasshandel mitverantwortliche Kardinal kniet mächtig und groß unter dem Kreuz, würdigt den Gehängten allerdings keines Blickes. Im prächtigen Purpur ist sich der Würdenträger selbst genug. In der verzerrten Perspektive von Kreuz und Kardinal weist der Maler in diesem Auftragswerk Albrechts allerdings unmissverständlich darauf hin, „dass da etwas nicht stimmt.“ Völlig neu für seine Zeit auch ein Kreuzigungsbild Cranachs, in dem er Christus an die Seite rückt und Maria und Johannes unter dem Kreuz ins Blickfeld. Cranach schloss in Wittenberg Freundschaft mit den Reformatoren Philipp Melanchthon und Martin Luther. Zusammen mit seiner Ehefrau war er 1525 Trauzeuge bei Luthers Heirat mit Katharina von Bora und war Taufpate von dessen ältestem Sohn Johannes.