Mit der Seilbahn zum Weihnachtsfest

ZurZeit - ein Gedanke des Dekans zur Zeit

 

Zugegeben, die Tristesse des Novembers mit ihrem immer wiederkehrenden Totengedenken gehört nicht gerade zu den besonders begehrten Zeiten im Jahreskreis: Allerheiligen, Allerseelen, Reichskristallnacht, Volkstrauertag. Und auch der für die Pflegeversicherung geopferte Buß- und Bettag lud ja vormals nicht gerade zu Party und schönen Ausflügen ein. Da erfreut doch eher die in Bad Tölz schon vor dem Totensonntag eingeläutete Weihnachtszeit des Menschen Herz. Glühwein, Plätzchen und eine weit geöffnete Shoppingmall am Sonntag sind ein willkommener Gegenentwurf zu Mahnmal und Friedhof. Sie verstecken unser Gedenken schnell mal hinter Tannenzweig und Kerzenschein. Frohe Weihnachten!

Eine vertane Chance! Vielleicht täte es gut, im November dem Schmerz wirklich einmal Raum zu geben. Darüber nachzudenken, dass der Mensch einmal nicht mehr sein und aus diesem Leben fallen wird, wie ein welkes Blatt vom Baum. Sind wir nicht einfach bedeutungslos und zufällig?

Vor diesem Hintergrund formuliert der Advent im Dezember unsere Sehnsucht. Schreit mit uns nach Sinn: „O Heiland, reiß die Himmel auf!“ Erinnert an Gottes Verheißungen.

Und Gott kommt. Tatsächlich! Er gibt unserer Hoffnung ein Gesicht – in diesem besonderen Kind am Christfest. Ein langer Weg also von November bis Weihnachten. Wie eine anstrengende Bergtour – mit anschließendem Gipfelglück. Wer gleich mit der Seilbahn nach oben fährt, ist zwar schneller am Ziel, aber dieses Glücksgefühl nach einer anstrengenden Wegstrecke bleibt ihm erspart.