"...so warm ums Herz!"

Da hängt er, der Gekreuzigte – vorne in unserer Tölzer Kirche. Lovis Corinth hat dieses düstere Bild gemalt. In der Mitte der Christus am Kreuz, darunter seine Mutter, der Jünger Johannes und zwei weitere Frauen. Der finstere Himmel spiegelt sich in den verzweifelten Gesichtern dieser Menschen unter dem Kreuz. Bedrohlich wirken auch die beiden Mitgekreuzigten an der Seite. Sie bäumen sich auf gegen ihren Schmerz. Aber erfolglos.

Ich betrachte dieses Bild zusammen mit Achmed. Achmed ist Syrer, im muslimischen Glauben erzogen. Er will sich taufen lassen. Es beklemmt mich fast, ihn mit dem leidenden Gott auf unserem Altarbild zu konfrontieren. Kann er das verstehen? Dann sage ich: „Achmed, schau in die Gesichter. Es sind auch die Gesichter der mit dir gekenterten Flüchtlinge auf Samos: Erschrocken, verzweifelt, die Toten beklagend. Der gekreuzigte Gott will uns sagen: Ihr Menschen, euer Leid ist mir nicht fremd. Gerade in dieser Not bin ich euch nahe.“ Achmed schweigt und schaut. Später hat er einmal gesagt: „Wenn ich an Jesus denke, wird mir so warm ums Herz.“ Das ist gewiss keine hohe Theologie. Aber vielleicht hat Achmed etwas vom Karfreitag verstanden.