Weihnachten braucht Deutung

Ein Gedanke zur Zeit

Eigentlich ist damals nur ein Kind unter ärmlichsten Verhältnissen zur Welt gekommen. Eigentlich müsste dieses Schicksal in einem Stall in Bethlehem längst vergessen sein. Aber diese eigentlich alltägliche Begebenheit hat schon von Beginn an eine Deutung erfahren, die dieses Ereignis herausgehoben hat aus der Masse des leidvoll Normalen.

Engel haben dieses Schicksal gedeutet: Maria gegenüber, dass sich in ihrem Sohn Gott zeigen würde. Auch den Hirten gegenüber, dass dieses Kind der lang ersehnte Heiland sei. Später hat auch Jesus selbst sein Leben gedeutet, und die Apostel haben diese Deutung fortgeführt.

Auch Symbole deuten dieses damalige Ereignis. Aber die Adventskränze in unseren Häusern und die Christbäume in den Schaufenstern werden zu leeren Zeichen, wenn ihre Botschaft verblasst.   

Deshalb müssen wir die uralte Geschichte von Bethlehem immer wieder mit ihrem Inhalt füllen: Ein Gott im Stall ist etwas anderes als ein vollmundiger Milliardär, der nur an sich und die Seinen denkt. Engel, die im Angesicht der Armen „aller Welt“ Frieden und Freude verkünden, sind etwas Anderes als Politiker, mit ihren Obergrenzen und abfälligen Bemerkungen. Weihnachten ist in Vielem der Gegenentwurf zu unserer Wirklichkeit. Weihnachten lässt sich nicht hinter Glühweinbechern und Ladentheken domestizieren. Weihnachten leuchtet auf den Schattenseiten dieser Welt und zerrt das Dunkle, wie Macht und Egoismus ans Licht. So wollen Adventskranz und Christbaum mit ihren Kerzen gedeutet werden.

Dekan Martin Steinbach