Wider die German Angst

Ein Gedanke zur Zeit

Die sogenannte „German Angst“ ist wieder da. Die Angst vor Terroranschlägen, vor politischem Extremismus und vor weiterem Zuzug von Ausländern plagt dreiviertel aller Deutschen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.

Das Ergebnis verwundert, weil doch keiner durch die Flüchtlingskrise seine Wohnung verloren hat und keiner einen Cent weniger an Verdienst, Rente oder Unterstützung bekommt. Auch die Terrorgefahr ist relativ. Obwohl in Deutschland weit mehr Menschen durch Verkehrsunfälle sterben als durch Terroranschläge, setzen wir uns weiter unbeschwert hinters Steuer, aber steigen mit Beklemmung hinunter zur U-Bahn.

Der Risikoforscher Ortwin Renn rät deshalb aus aller Erfahrung zur Besonnenheit: Wenn es den Europäern gelingt, der Bedrohung mit Augenmaß entgegenzutreten, fällt die Gewalt mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann in sich selbst zusammen. Noch ein anderes Mittel gegen die Angst haben viele Deutsche für sich entdeckt: Sie engagieren sich. Sie unterstützen Flüchtlinge in Helferkreisen, sorgen mit ihren Tafeln für Bedürftige oder setzen sich als Coaches für die Ausbildung benachteiligter Jugendlicher ein. Alle Engagierten ernten mit ihrem Einsatz Dankbarkeit und Wertschätzung von denen, vor denen sich der Rest der Gesellschaft zunehmend fürchtet. Unsere christliche Überzeugung hat schon recht, wenn sie uns erinnert, dass Gott uns nicht den Geist der Furcht gegeben hat, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. So bekämpfen wir die Angst, andernfalls verharren wir in ihr.

Dekan Martin Seinbach